In der Ausstellung „Bittersweet“ betreten wir einen Zwischenraum. Wir sind es gewohnt, uns durch Räume zu bewegen. Wir betreten sie, verlassen sie, teilen sie mit anderen. In einer zunehmend vernetzten Welt scheint der Zugang zu anderen Lebenswelten beinahe selbstverständlich. Doch wie viel wissen wir tatsächlich über die Erfahrungen, Gefühle und inneren Räume unserer Nächsten? Und wo beginnt die Grenze zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir lediglich zu verstehen glauben? Redas Arbeiten laden dazu ein, diese vertrauten Annahmen für einen Moment auszusetzen. Sie erzählen nicht alles und erklären nichts abschließend. Stattdessen lassen sie Raum für das Unbestimmte, für Empfindungen, die sich einer eindeutigen Sprache entziehen, und für Geschichten, die nicht vollständig zugänglich sein müssen. Was zunächst als Zugang zu einer anderen Welt erscheint, wird dabei immer auch zu einer Begegnung mit dem eigenen Blick. Was wir im Gegenüber erkennen, erzählt deshalb nicht nur von ihm, sondern ebenso von uns selbst.
Artist Portrait
May Reda, geb. 2001 in Freiburg im Breisgau, lebt und arbeitet in Wien, derzeit studiert sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie untersucht Räume nicht allein als physische Orte, sondern als Träger von Erinnerung, Erfahrung und Empfindung. Während wir in unserem Leben immer wieder mit persönlichen, aber auch gesamtgesellschaftlichen Rückschlägen, Verdrängung und Ängsten konfrontiert werden, stellt sich May Reda diesen ehrlich und spiegelt sie in sich. Ihre Arbeiten eröffnen eigenständige Bildräume, in denen Farbe, Materialität, Körper und Raum ineinandergreifen und eine Wirklichkeit entstehen lassen, die sich einer eindeutigen Lesart entzieht.
Diese Räume werden aus der Fülle an Erfahrungen, Wissen und Empfindungen einer jungen Künstlerin gestaltet, die sich bewusst, mit Sorgfalt und Ehrlichkeit den zerstörerischen und schmerzhaften Kräften von Verdrängung und (Weg-)Schauen stellt, sie reflektiert und sichtbar macht. Dabei erschafft May Reda ein universelles Gefühl von Verbundenheit. Ihre Kunst führt in Zwischenräume, zwischen Nähe und Distanz, Sichtbarkeit und Verborgenem, Vertrautem und Fremdem.
